Sonntag, 10. Mai 2009

Die Dynamik der Systeme

Heute bin ich über einen interessanten Blog gestolpert. Um es vorweg klarzustellen: Ich stimme dem Autor inhaltlich weder zu, noch widerspreche ich ihm, denn von seinen Themen habe ich zu wenig Ahnung (US-Aktienmarkt, Trader-Mathematik, Fibonacci etc.). Seine Thesen über die zukünftige Entwicklung der Zivilisation halte ich für reine Spekulation, jedoch werfen sie interessante Fragen auf. Sein Kernthema ist, die offizielle Berichterstattung zu widerlegen, wonach die Wirtschaft in eine schwere Rezession geraten sei, und führt positive Indikatoren dagegen an. Aber das interessiert mich weniger.

Mich interessiert, dass er ein alternatives Erklärungsmodell entwickelt hat, um die Dynamik und Zielsetzung der globalen Ökonomie zu erklären und Entwicklungen zu prognostizieren. Als treibende Kräfte der globalen Wirtschaft sieht er „The Creators of the New World Order“. Das Entscheidende: Im Gegensatz zu den Verschwörungstheoretikern hat er begriffen, dass die Gruppen und Individuen, die Politik und Wirtschaft auf unserem Planeten tatsächlich prägen und lenken, keine verschworene Gemeinschaft sind, die sich im Geheimen trifft und finstere Pläne ausheckt, sondern, wie auch ich, die wirklich bestimmenden Kräfte als Untermenge von ökonomischen Akteuren mit gleicher bzw. ähnlicher Zielsetzung sieht, deren gemeinsames Handeln nicht durch vorherige Absprachen, sondern durch gemeinsame Ziele bestimmt wird.
„Do the smarties exist? YES. The smarties are The Creators of The New World Order. The smarties are a multinational group of people with vested interests in high tech (web 2.0, Silicon Valley, Digg, Google, Facebook), finance (commodities, tech stocks), and the media to a limited extent (mainly FOX News and CNBC). The smarties are the driving force behind the unraveling of the middle class, and so called ‘economic perpetualism’. The reason why they are called smarties is because they occupy fields that require above average intelligence such as web 2.0 startups, venture capital, and commodity trading; hence the name smarties.”
Allen Thruthern und Verschwörungstheoretikern empfehle ich, diese Betrachtung einmal „ihrer“ Vorstellung gegenüberzustellen. Ist das hier beschriebene Modell nicht plausibler und wahrscheinlicher? Gemeinsame Zielsetzungen vieler Einzelakteure in einem gemeinsamen System (politisch, ökonomisch, sozial) können durch konsequentes Agieren zu einer sehr mächtigen, prägenden Kraft werden, die grundlegende und nachhaltige Veränderungen bewirkt. Das unkoordinierte und doch parallele Handeln als Kollektiv wirkt ähnlich wie ein ganzes Beet keimender Pflänzchen, die mit ihrem gemeinsamen Wachstum Glasplatten heben oder Asphaltdecken aufbrechen können. Sie sprechen sich nicht ab, sie wachsen auch nicht exakt in dieselbe Richtung, sondern nur der gemeinsamen Lichtquelle entgegen, und dadurch üben sie gemeinsam eine starke Kraft aus.

Die Medien und der w3-beschleunigte Informationsaustausch sind dabei das Bindeglied. Ähnlich wie in einer Gruppe von vorrückenden Jägern oder Kriegern im Feld der einzelne sein Verhalten durch Sichtkontakt mit der Gruppe ohne Absprachen koordiniert, richten die hier beschriebenen Akteure ihr Verhalten – mit Hilfe des Internets quasi in Echtzeit – an der Bewegungsrichtung der Gruppe aus. Die aus diesen Einzelvektoren Resultierende ist eine sehr starke Kraft, die Staaten, Märkte und Gesellschaften stärker verändern kann, als Regierungen oder transnationale Institutionen.

Dienstag, 7. April 2009

Kollektive Verdummung

Gestern abend in den Nachrichten: Der ADAC hat festgestellt, dass Benzin an bestimmten Wochentagen billiger ist als an anderen, und dass es am Wochenende und zu Ferienbeginn immer besonders teuer ist. Als Mitglied finde ich es zwar prinzipiell gut, dass sich der ADAC darüber Gedanken macht, frage mich aber, wen das interessiert. Zum einen ist das ein alter Hut, zum anderen steht es den Anbietern in unserem Wirtschaftssystem auch zu, derartige temporäre bzw. saisonale Preisdifferenzierung zu betreiben. Wer halt montags zu tanken vergisst, muss dann am Freitag mehr blechen. Dass es brancheninterner (verbotener) Absprachen bedarf, um diese wöchentlichen Preiswellen in der Praxis konzertiert zu realisieren, ist auch nichts neues. Man hat dann die Mineralölwirtschaft mit diesen neuen alten Erkenntnissen konfrontiert, und die hat natürlich wie immer alles abgestritten.

Kurz danach wurden dann die Börsenmeldungen verlesen. Dabei konnte man erfahren, dass der Ölpreis bei etwa 51 $ pro Fass liegt. Sparer wie ich mussten tags zuvor etwa 1,23 € pro Liter zahlen. Als 2008 der Ölpreis bei 146 $ lag, kostete der Sprit etwa 1,45 €. Das bedeutet, der Ölpreis ist um 65% gefallen, der Benzinpreis aber nur um 15%. Die Differenz (OK, geringfügig bereinigt um veränderte Wechselkursverhältnisse) streichen die Konzerne als zusätzliche Marge ein, und auch das ist nur mit Absprachen möglich. Nur stört das anscheinend niemand so richtig. Wahrscheinlich verdienen einfach sehr viele Leute sehr gut an diesen Verhältnissen – und zwar nicht nur Ölaktionäre, sondern auch Diätenempfänger.

Auch das Stimmvieh bleibt ruhig, denn noch ist der Sprit ja billiger als letztes Jahr. Nachdem man sich an das Schmerzniveau von 1,45 gewöhnt hat, fühlen sich 1,23 doch direkt angenehm an. Mikroökonomisch ausgedrückt: Der Gewinn eines Kartells ist maximal, wenn der Preis möglichst nahe unter der kollektiven konsumpsychologischen Schmerzgrenze gehalten wird. Da fällt mir ein Satz aus 'Existenz' ein: "Sie machen es immer so, dass es gerade noch Spass macht."

Sonntag, 29. März 2009

Es geschah am hellichten Tag

Wie kann man möglichst einfach möglichst viel Kontrolle über andere Menschen bekommen? Eine Möglichkeit ist, sie gewaltsam zu unterwerfen, auch als Krieg bekannt. Nachteil: Massive öffentliche Kritik, Risiko eigener Verluste, hohe Investitionen mit unsicherer Ertragslage. Vor allem aber sind die derart Unterworfenen mithin recht unzufrieden mit ihrem Status, was weitere Kosten und Probleme verursacht. Darum ist diese seit Jahrtausenden praktizierte und bewährte Methode ein wenig aus der Mode gekommen. Lediglich in Afrika und im Nahen Osten findet sie immer noch viele Anhänger.

Clevere Denker nutzen die Chancen der Globalisierung, um viel effektiver und effizienter zu agieren. Wie eingangs skizziert, überwiegen bei militärischen Eroberungen die Aufwendungen die unmittelbaren Erträge. Und um Erträge geht es ja letztendlich schon seit den Zeiten des römischen Imperiums. Das Zauberwort heisst Versklavung. Ein Sklave ist eine viel bessere Ertragsquelle als ein Eroberter. Bei seiner Einweisung ins Sklavenlager nimmt man ihm jeglichen Besitz (Marx hätte gesagt: Jegliche Produktionsmittel und Vermögensgegenstände). Nun kann er sich nicht mehr ernähren und auch nichts mehr erwirtschaften, um sich später wieder selbst ernähren zu können. Vom Ertrag seiner Sklavenarbeit erhält er fortan jeweils nur soviel, dass seine Arbeitskraft erhalten bleibt. Den Rest kassiert der Sklavenhalter.

Das ist keine Geschichte aus dem 18. Jahrhundert, sondern aus 2009. Nachdem die internationale Finanzwirtschaft die Weltwirtschaft gegen die Wand gefahren hat, überzeugte sie Politiker weltweit davon, dass sie für eine neuerliche Gesundung der Weltwirtschaft unverzichtbar sei und hatte auch gleich fertige Konzepte, wie man sie dabei unterstützen müsste. Da unsere Politiker von der Komplexität der Probleme völlig überfordert waren, nahmen sie die Therapieempfehlungen des Patienten dankend an und verpfändeten die künftigen Erträge ihrer Volkswirtschaften für die kommenden Jahrzehnte zur Rettung der Banken. Um unsere Billionen Schulden wieder abzustottern, werden wir jahrzehntelang Steuern zahlen. Mit Zins und Zinseszinsen, versteht sich. Die Steuerlast wird überall jeweils so hoch sein, dass gerade genug Leistungsanreiz für die Sklaven besteht, um weiter ihren Dienst zu verrichten, und gleichzeitig hoch genug, um satte Zinserträge einzufahren. Schöne neue Welt – oder Novus ordo seclorum?


(C) FR / Thomas Plaßmann

Viele Mahner treten auf den Plan, die vor dieser Entwicklung warnen, doch keiner hört sie. Zu einstimmig ist der Chor der Befürworter. Denn auch für das nötige Angstpotential wurde gesorgt: Die Krise werde schlimmer als in den 30er Jahren, wenn man nicht schnell (ohne nachzudenken) und tatkräftig (mit so viel Geld wie möglich) handle. Auch die Presse muss man nicht fürchten, die Embedded Journalists (oder Medienhuren, wie Bröckers sie nennt) stehen stramm auf Linie.

Auch der schwarze Messias tat brav seine Schuldigkeit, um mitzuhelfen. Nach dem teuersten Wahlkampf aller Zeiten muss er schließlich auch mal was für seine Sponsoren tun. Artig besetzte er die Schlüsselpositionen seiner neuen Regierung mit den besten Soldaten, welche die Wall Street im schickte. Mehr als ein Dutzend seiner wichtigsten Mitarbeiter sind oder waren außerdem Mitglieder des CFR und der Trilateralen Kommission und waren in der Vergangenheit gern gesehene Gäste bei den Bilderberg-Konferenzen. Wie sagte doch ein Insider neulich in einem Interview: „Wall Street conquered the White House in bright daylight.“ Von Kissinger (Obamas erster Arbeitgeber nach dem Studium) über Geithner (Ex-Notenbankchef) bis hin zu Brzezinski sind alle vertreten, die ihre Gesinnung bereits ausgiebig unter Beweis gestellt haben.

Wer also dachte, nach Bush wird alles besser, sollte mit dem umdenken beginnen. Bush war die Marionette von Big Oil und dem militärisch-industriellen Komplex. Mit Obama haben die Banker das Kommando übernommen. Bush und sein Vater haben Millionen Menschen mit Waffengewalt getötet, wegen Obamas Hintermänner werden wesentlich mehr Menschen an Hunger sterben (oder an den gewaltsamen Konflikten, die er auslöst):
„Weltweit werden Ende nächsten Jahres schätzungsweise bis zu 90 Millionen mehr Menschen als jetzt in extremer Armut leben. Es gibt eine reale und unmittelbare humanitäre Krise überall in der Welt, die durch die Auswirkungen der hohen Öl- und Lebensmittelpreise des vergangenen Jahres noch verschlimmert worden ist.“
(Douglas Alexander, britischer Minister für internationale Entwicklung)
Wenn nur 5 Prozent davon verhungern, dann sind das viel mehr, als durch Bushs Kriege umgekommen sind. Wer hätte es gedacht – Bush war doch eigentlich ganz harmlos.

Freitag, 27. März 2009

Cui bono?

In anderen Beiträgen wurde bereits die Behauptung widerlegt, die Finanzkrise und ihre Auswirkungen seien nicht vorhersehbar gewesen. Ein (zugegebenermaßen nicht einfacher) TP-Artikel vom Sommer 2005 liefert weitere Beweise dagegen. Rückblickend wirft er sogar die Frage auf, warum niemand den Crash verhindert hat und ob das nicht triftige Gründe hatte.

Zunächst wird die bereits bestens bekannte Interdependenz der chinesischen und US-amerikanischen Ökonomie dargestellt. Demnach profitieren die Chinesen vom Export-auf-Pump-Kreislauf zusätzlich in Form einer langfristigen sektoralen Transformation von einer agrarischen zu einer industriellen Wirtschaft. Sollte der Kreislauf dereinst in Stocken geraten, drohe Schlimmes: „Das würde drastisch höhere Zinsen und einen massiven Dollareinbruch bedeuten, wobei dem durchaus auch ein echter 'Crash' an den Finanzmärkten vorausgehen könnte - welche nun schon für eine ungewöhnlich lange Zeit (seit 1987) ausgeblieben sind!“ Eine aus heutiger sich bemerkenswerte Prognose: Der erste Teil ist schon eingetreten. Was blüht der Welt, wenn der zweite Teil folgt?

Weiter ist zu lesen: „unklar ist, ob die Finanzmärkte die Risiken zu recht als geringer einschätzten oder ob einfach die überschießende Liquidität dazu geführt, zu viel Nachfrage nach Risiko zu erzeugen.“ Inzwischen wissen wir, dass letzteres der Fall war. Um den permanenten Kapitalzufluss zu verwerten, erfanden die US-Investmentbanken ständig neue Finanzmarktprodukte (=“Zockerpapiere“), für die es keinen realökonomischen Gegenwert gab, wie z. B. die inzwischen berüchtigten Indexzertifikate, aber auch die Mortgage Backed Securities, die netterweise in der Bilanz nicht sichtbar sind. Dank Finanzkrise hat sich die Begrifflichkeit vereinfacht zu „Toxic Assets“.

Besonders bemerkenswert an dem 2005er Artikel ist, dass demnach Insider bereits mit dem gegenwärtigen Bank Bail-out gerechnet haben:

„Etliche Kommentatoren nennen dabei als wahrscheinlichsten Termin für einen Zusammenbruch den Jahresbeginn 2006, die Zeit von Alan Greenspans Rücktritt. Denn derzeit, davon ist jedenfalls Steven Roach, Chefökonom von Morgan Stanley, überzeugt, würden die Finanzmärkte davon ausgehen, dass Greenspan sofort als Käufer aufzutreten werde, sollte es bei US-Staatsanleihen oder bei Anleihen der 'State sponsored'-Hypothekarinstituten, die inzwischen fast so viele Anleihen ausstehen haben wie die US-Regierung, zu einer Verkaufswelle kommen.“
Nun ja, Verkaufswelle ist vielleicht der falsche Ausdruck: Das Beben war noch viel heftiger, so dass es nicht in Panikverkäufen endete, sondern im drohenden Bankrott der größten Zocker. Entsprechend kaufte Greenspans Nachfolger nicht deren Papiere, sondern gleich den ganzen Laden – quasi „im Dutzend billiger“.

Wenn all das bekannt war, warum hat dann niemand etwas unternommen, um die Kernschmelze zu verhindern? Wollte man die Bereinigung der Toxic Assets per Steuer-Billionen, weil das dicke Ende unabwendbar war? Waren es nicht die Patienten selbst, die dem Arzt ihre Medizin vorschlugen?

Anscheinend litten auch die Akteure in diesen Great Game an derselben Krankheit wie die Lehman-Kleinanleger-Kunden: Die Gier. Das System funktionierte für alle so gut, dass es einfach weiter funktionieren musste. Als netter Nebeneffekt trieb das Konsum-Dollar-Recycling auch den Ölpreis in ungekannte Höhen, damit die armen Saudis auch was davon hatten – und nebenbei eine zusätzliche Spekulationsmöglichkeit geschaffen wurde.

Wer glaubt immer noch, dass der September 2008 nicht vorhersehbar war? Bitte bemüht euch um ärztliche Hilfe – mit Medikamenten kann man heute viel erreichen.

Donnerstag, 26. März 2009

Neues Denken gegen alte Traditionen

Da ich momentan weder in Innenstädten deutscher Großstädte unterwegs bin, noch regelmäßig deutsche Zeitungen bzw. Nachrichten wahrnehme, habe ich erst gestern von der Attac-Zeit-Aktion erfahren. Unter anderem wird in der fiktiven Zeitung auch eine derzeit immer häufiger gestellte Frage angesprochen: Warum waren nicht schon vor der Krise die jetzt eingesetzten Finanzmittel verfügbar? Sehr schön pointiert wurde das übrigens auch von Kabarettist Nuhr in seinem neuen Programm. Zur Veranschaulichung rechnet er vor, dass Steinbrücks 500 Mrd. Euro in 500 Euro-Scheinen einen 50 km hohen Stapel bilden würden. Schwer nachprüfbar für Nicht-Ackermanns und auch schwer vorstellbar, aber dennoch und vielleicht gerade deswegen beeindruckend.

Besonders gefallen hat mir jedoch der Artikel „Zeit der Abrechnung“ über einen G20-Gipfel in Brasilien. Obama hat ein ernstes Problem, dass er weder durch pathetische Reden noch mit seinem Blackberry lösen kann:
„Mit einem Haushaltsdefizit in Höhe von mehr als drei Billionen Dollar im vergangenen und laufenden Haushaltsjahr wird es für die US-Regierung zusehends schwieriger, das dafür benötigte Geld auf den Kapitalmärkten aufzunehmen. Damit einher geht die Furcht vor einer Inflationierung des Dollar. Würde es aber zu einer Flucht aus Dollaranlagen kommen, käme über kurz oder lang das globale Zahlungssystem und damit der gesamte Welthandel zum Stillstand. Gleichzeitig würden China und viele weitere Schwellenstaaten einen großen Teil ihrer Devisenreserven verlieren.“
Das umreißt in etwa, was uns infolge der derzeitigen Wirtschaftsrettungspolitik noch bevorsteht: Die Amis „sanieren“ ihre Wirtschaft durch Bankenrettung, die wahren Ursachen der Krise bleiben bestehen, deshalb können sie mittelfristig ihre Schulden nicht zurückzahlen, das Vertrauen in ihre Kreditwürdigkeit sinkt und damit der Zufluss an weltweit erwirtschafteten Devisenüberschüssen auf ihren Kapitalmarkt. Nur – wie kann der globale Handel dann weiter aufrechterhalten werden, wenn kein allgemein akzeptiertes Tauschmittel mehr existiert?

Paradoxerweise finden wir die Antwort darauf heute in der echten „Zeit“: Die Chinesen denken laut über eine neue internationale Leitwährung nach. Warum das nicht geht? „Experten“ geben zu bedenken, „Praktisch sei eine neue "Super-Währung" schon allein deswegen nicht umzusetzen, weil es faktisch eine Bindung des US-Dollars an den Ölhandel gibt.“ Ich frage mich, wo diese Bindung geschrieben steht. Das ist in Wahrheit nur eine Tradition. Würde man mit dieser brechen, müssten sich die Amis als größte Spritverbraucher der Welt, die eh schon völlig pleite sind, am Kapitalmarkt die Devisen beschaffen, um sich in Rotterdam Öl zu kaufen. Eine super Idee, denn dann könnten sie die Kohle nicht mehr für Waffen raushauen und überall auf der Welt Kriege vom Zaun brechen.

Aber zurück zum Thema: „"Die USA können keine Stabilität mehr garantieren", sagt IfW-Ökonom Langhammer. "Instabile Währungen sind eine Gefahr für die internationalen Finanzströme."“ Sag ich doch: Die Amis sind mit ihrem inflationierten Dollar eine Gefahr für uns alle. Umso schöner ist, dass jetzt endlich öffentlich darüber gesprochen wird. Bush & Co. setzten noch jeden auf die Warteliste für Regime Change, der Öl anders als für Dollars verkaufen wollte (wie z. B. Irak, Iran und Venezuela). Mit den Chinesen wird das nicht so einfach gehen.

Es geht aber auch anders und ohne Interventionsmöglichkeit der Amis – am Ende des zuletzt zitierten Artikels wird es beschrieben. Je früher dieser Prozess beginnt, desto besser für uns alle.

Die Königsfrage in Bezug auf die kurz- und mittelfristige Zukunft lautet aber: Wenn Fakten und Fiktion (Attac-Zeit) so nah beieinander liegen, haben dann nicht auch die im fiktiven Artikel skizzierten Lösungen eine reale Erfolgschance?

Dienstag, 10. Februar 2009

Ein neuer Wahrer der Interessen

Gestern schrieb ein Kommentator in der FR zum Wechsel im BMWI: „Glos hatte […] weder die intellektuellen noch die rhetorischen Fähigkeiten, von ökonomischem Sachverstand ganz zu schweigen.“ Das mag ja sein, die Frage ist jedoch: Welche seiner Vorgänger waren das denn? War er gerade mangels Fach- und Sachkompetenz nicht optimal qualifiziert für diesen Job?

Bevor gestern die Vakanz mit einer anderen Pappnase aus dem bayerischen „Intrigantenstadl“ (FR) besetzt wurde, unkten die Mahner allerorten, angesichts der gegenwärtigen Situation brauche man nun einen besonders kompetenten Amtsinhaber. Nur ist es nicht das erste Mal, dass die Nation mit großen wirtschaftlichen Problemen ringt, aber der Posten mit einem unqualifizierten, weil fachfremden Politiker besetzt ist. Wer saß denn bisher auf dem Stuhl, der wirklich was taugte? Ohne jetzt auf alle bisherigen Amtsinhaber eingehen zu wollen – die meisten Amtsinhaber der letzten 35 Jahre glänzten hautsächlich durch Inkompetenz.

Entweder konnten sie nicht oder sie durften nicht. Der ausschlaggebende Grund für ihre Ernennung war häufig, dass sie die passende Kombination von Parametern mitbrachten, um mit ihrer Ernennung Gleichgewichte zu wahren bzw. herzustellen. Beispielsweise die Kombination aus evangelisch, aus Osthessen und aus dem xy-Flügel ihrer jeweiligen Partei. Schwupp – so schnell und einfach wird man Wirtschaftsminister einer der (noch) führenden Wirtschaftsnationen der Welt, die jahrzehntelang Exportweltmeister (oder im entsprechenden Ranking auf den vorderen Plätzen) war. Wie, Sie sind nur Jurist oder Bauer? Macht nix. Dasselbe gilt leider in noch viel stärkerem Maße für das Amt des Finanzministers - dazu verwendet man üblicherweise Anwälte oder Deutschlehrer. Steht die Abkürzung BMWI möglicherweise für „Bundesamt für die Wahrung von Interessen“?

Daneben gab es welche, die möglicherweise fähig gewesen wären, ihr Amt auszufüllen (und nicht nur rein körperlich, wie z. B. Kohl seine Ämter ausgefüllt hat). Da fällt mir spontan der Müller ein. Der eine wurde gleich von Anfang an die Leine gelegt, weil er als Industrieboss aus der Energiewirtschaft den Roten zu modern und den Grünen zu umweltschädlich war.

Aber die Grundidee bei der Ernennung Müllers war doch revolutionär gut: Wir nehmen mal einen, der was davon versteht! Auch wenn wir nicht so viele Nobelpreisträger für Wirtschaft wie die Amis haben, keinen Samuelson, Keynes, Friedman, Krugman, Stiglitz und so fort - wir haben zumindest einige Dutzend Volkswirte, von denen jeder mehr von Wirtschaftspolitik versteht als die letzten drei Regierungen zusammen. Oder wir machen’s wie die Amis und lassen den Job vom Notenbankchef erledigen. Der ist zwar auch nicht unfehlbar, aber unparteiischer und kompetenter als irgendwelche Parteiluschen.

Leider war das mit Müller wohl nur ein Ausrutscher in der Geschichte unserer Proporzrepublik. Bis auf weiteres gilt wieder die Devise „Ich bin nichts, ich kann nichts - gebt mir ein Ministeramt!“.

Samstag, 7. Februar 2009

Alles muss, nichts kann

In den letzten Tagen bin ich beim Zappen kurz bei Phoenix hängengeblieben, wo die aktuellen Umfragewerte zur deutschen Politiklandschaft (oder besser Staatsmafia-Clan?) vorgestellt wurden. Das sich die Ergebnisse nicht mit meinen persönlichen Präferenzen decken, sei mal dahingestellt. Was ich jedoch überhaupt nicht begriffen habe: Sehr viele Befragte sind mit der Politik der Kanzlerin zufrieden – mit welcher denn? Wer kann denn ganz spontan etwas nennen, was sie getan hat, wofür sie steht? Abgesehen vom „Pflichtprogramm“, das das Protokoll erfordert, hat sie nichts, aber auch rein gar nichts, getan. Außer die Steuern auf Rekordniveau erhöht und mit einer horrenden Staatsneuverschuldung dafür gesorgt, dass das auch für viele Jahrzehnte so bleiben wird. Dazu will ich mich gar nicht näher auslassen, das kann jemand anders viel treffender und zorniger.

Jetzt wird mir auch klar, warum sie ihren Mentor und Mäzen, den fetten Helmut, so verehrt und von diesem so gefördert wurde. Sie führt seine Tradition weiter: Aussitzen, Steuergeld verprassen und die Steuern erhöhen. Die Alternative wäre reformieren, verschlanken und erneuern. Aber dazu müsste man ja unbequeme Wahrheiten verkünden, soziale bzw. institutionelle Besitzstände in Frage stellen und neue, zukunftsorientierte Konzepte entwickeln – also ernsthaft was arbeiten und das tun, wofür Politiker eigentlich da sein sollten.

Wenn also die Mehrheit mit ihrem Nichtstun zufrieden ist, dann kann es dafür doch nur zwei mögliche Schlussfolgerungen geben:
  • Viele Deutschen wollen, dass möglichst alles so bleibt, wie es ist, denn es geht dieser Bevölkerungsgruppe trotz allem noch immer sehr gut, und das soll auch möglichst lange so bleiben.
  • Viele Deutschen blicken zurück auf die „Reformen“ der vergangenen 10-15 Jahre und sehen nur Veränderungen zum Schlechten. Obwohl wir alle tagtäglich erleben, dass viele grundlegende Konzepte unseres Gemeinwesens, wie sie von den Vätern des Grundgesetzes und den politischen Gestaltern der Nachkriegszeit erdacht wurden, in der heutigen Welt nicht mehr optimal sind, ist es realistisch gesehen besser, wenn die heute regierenden Luschen die Finger davon lassen, weil ihnen selber nichts besseres dazu einfällt. (Was natürlich nicht heisst, dass es keine sinnvollen Alternativen, keine besseren Konzepte und keine funktionierenden Lösungen gäbe, ebenso wie sehr renommierte und engagierte Mahner, die unsere Polit-Nullen immer wieder daran erinnern).
Nehmen wir einfach mal an, letztere Annahme wäre richtig. Ich glaube es zwar nicht, aber es beruhigt. Und das wollen wir doch alle: Ruhe. Genau wie unsere Politiker. Nichts sehen, nichts hören, nichts wissen. Wenigstens das können sie gut.

Sonntag, 1. Februar 2009

Das Paradies der schlechten Menschen

Die Welt ist das Paradies der schlechten Menschen. Angeblich stammt dieser Satz aus dem alten Persien. Ein Umstand, durch den diese Feststellung nur noch fataler und brisanter wird, zeigt es doch, dass diese Regel schon seit sehr langer Zeit, wenn nicht sogar schon immer, gilt. Über Zeitalter, Kontinente, Kulturen, Gesellschaftsordnungen und Religionen hinweg. Das bedeutet dann aber auch, dass obwohl diese Tatsache bekannt war, es bis heute noch nicht gelungen ist, diese lästige und unangenehme Tatsache aus der Welt zu schaffen. Auch in den modernen Demokratien hat sie weiter Bestand.

Was bedeutet das für unser Leben? Sollen wir uns fatalistisch damit abfinden? Sollen wir uns opportunistisch daran anpassen und selbst schlecht werden? Betrachten wir es mal von der anderen Seite: Wenn wir noch immer fähig sind, bei diesem Satz Bedauern zu empfinden, dann besteht noch Hoffnung. Denn alles Schlechte, das seit Generationen die Welt im Würgegriff hält, hat es nicht vermocht, das Gute auszurotten. Denn auch das Dunkel kann ohne das Licht nicht bestehen. Nach George Spencer-Brown existiert alles nur durch seine Abgrenzung – zumindest habe ich seine Thesen so verstanden.

Das bedeutet im nächsten Denkschritt, dass sich auch in der Vergangenheit viele Menschen trotz dieser Erkenntnis nicht dazu entschieden haben, zur dunklen Seite überzuwechseln. Und trotzdem überlebt haben und damit dem Guten zu weiterem Bestand verholfen haben. Auch mikroökonomisch macht das Bewahren des Guten Sinn. Je schlechter die Welt ist, desto mehr gewinnt die Suche nach Alternativen, nach dem Guten und seinen Protagonisten, an Bedeutung und Verbreitung. Was in unserer kapitalistischen Welt bedeutet, dass sich damit gutes (?) Geld machen lässt.

Wer sind diese Propheten des Lichts? Es sind all diejenigen, die uns Kraft und Hoffnung geben. Musiker, Schriftsteller und andere Künstler, die mit ihren Werken ein wenig Licht auf das Dunkel unseres Weges scheinen lassen; Politiker (manche davon zumindest), Wissenschaftler oder einfach nur Menschen, die altruistisch handeln. Bleiben wir also im Licht – es lohnt sich.

Bleibt die Frage, warum sich das Schlechte so wacker hält. Eine Antwort liegt nahe – weil es sich bewährt hat. Weil die Randbedingungen, auf denen es gedeiht, alle Veränderungen überdauern. Es sind der Egoismus und die Gier – auf diese beiden Elementarfaktoren lässt sich alles Schlechte kürzen. Denkt man weiter zurück, dann wird offensichtlich, dass beides nur übersteigerte Urinstinkte sind – die Kombination animalischer Triebe mit menschlicher Intelligenz. Ein Tier gehorcht dem Instinkt, sein eigenes Überleben und das seiner Art zu sichern. Dazu versucht es, sein Revier möglichst weit auszudehnen, um sich damit exklusiven Nahrungsraum zu sichern. Manche Tierarten horten zudem Vorräte an Nahrung.

Diesem Treiben sind jedoch Grenzen gesetzt. Zum einen durch die begrenzte Lebensdauer des Individuums und seine begrenzte körperliche Leistungsfähigkeit, zum anderen durch das Fehlen effektiver Kommunikations- und Organisationsmöglichkeiten, um diese Aufgaben gemeinsam mit anderen Artgenossen auszuweiten und die dabei erworbenen Erfahrungen an die nächste Generation weiterzugeben, die, darauf aufbauend, noch effizienter vorgeht, noch erfolgreicher ist und so fort. Hinzu kommt die Ordnung der Natur, die jeder Art einen natürlichen Feind entgegensetzt und damit einen Gleichgewichtszustand erhält.

In Kombination mit der menschlichen Intelligenz fallen diese Schranken. Dem Streben nach Macht und Ressourcen sind keine natürlichen Grenzen gesetzt. Auch die Begrenztheit der eigenen Existenz schafft keinen Grund zur eigenen Beschränkung. Denn indem der Mensch einen Sinn für Zeit entwickelt hat, hat er auch gelernt, in die Zukunft zu denken und zu planen. Gleichzeitig hat er ein in der Natur beispielloses Generationengefüge etabliert. Damit endet sein Planen nicht mehr beim projektiven Ende seines Daseins, sondern erweitert sich auf nachfolgende Generationen, in denen er fortzuleben hofft. Ergo soll auch deren Überleben und ihr Platz bzw. aufwärtsgerichtete Mobilität in der Gesellschaft schon heute gesichert werden.

Dieses hegemoniale Ziel wird dominant und erhält Vorrang vor allem anderen – und damit auch vor den Interessen aller, die nicht zur eigenen Sippe zählen. Wo diese Sippe endet, hängt ab von der Gesellschaft. War es in urzeitlichen Kollektiven möglicherweise noch das gesamte Dorf, so hat sich der Kreis der Umsorgten proportional zu Individualisierung über die Jahrtausende immer weiter verringert und umfasst heute im Extremfall nur noch die eigene Person.

So werden auch unmenschlichste Entscheidungen sinnvoll aus der eigenen, egozentrierten Perspektive des Individuums. Und damit auch gemäß der eigenen Maßstäbe legitimiert. Schlecht sind immer nur die anderen, die einem bei der Eroberung der Welt im Wege stehen. Und davon gibt es so viele, und sie halten alle gegen uns zusammen! Deshalb ist die Welt das Paradies der schlechten Menschen. q.e.d.































(c) Heise Verlag oder Ritsch & Renn (?)

Samstag, 31. Januar 2009

Keep your eyes on the stars

… and keep your feet on the ground. Über Teddy Roosevelt gibt es wenig gutes zu erinnern außer diesem Zitat. Politisch war er gewissermaßen ein Urahn der Bush-Mafia, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn ich durch den Wald gehe, muss ich manchmal an dieses Zitat denken. Die Wege sind uneben, leicht kann man stolpern oder sich sogar verletzen. Doch wenn man stets den Blick zu Boden richtet, um jeglichen Fehltritt zu vermeiden, dann versäumt man, seinen Weg zu genießen. Die Bäume, den Himmel, die Tiere, das Grün, das Licht der Sonne, das durch die Blätter scheint, den Duft von Blüten, Harz und Moder, die Freiheit, Leichtigkeit, Unbeschwertheit.

Genau wie im Leben. Wenn wir auf unserem Weg durch Zeit und Raum, auf unserer Suche nach Glück und Erfolg, immer nur besorgt darauf achten, keinen Fehler zu machen, kein Risiko einzugehen und jede Unsicherheit zu meiden, dann verpassen wir ein gutes Stück dessen, was das Leben ausmacht. Die Abwechslung, das Unerwartete, Neue, das uns positiv oder auch negativ überraschen kann. Das Leben im Hier und Jetzt, nur für den Augenblick und aus der Inspiration des Erlebens, spontan, mit der Unvoreingenommenheit und Neugier eines Kindes.

Alles Planen und Antizipieren hat seine Zeit und seine Berechtigung, muss aber auch seine Grenzen haben. Denn: „Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß“ (Nicolas de Chamfort). Und sicherer ist das vermeintlich sicher organisierte Leben zudem auch nicht, denn dem Schicksal bleiben dennoch Millionen von Fallstricken, um uns zum Stolpern zu bringen. Auch wenn wir noch so gebückt vorangehen, um jede Unebenheit auf unserem Weg zu erkennen –keine Chance für ein Leben ohne Risiko. „Bist du als der erste Mensch geboren? Kamst du vor den Hügeln zur Welt?“ fragt Eliphas seinen Freund Hiob, der versucht, sein Leben und sein Unglück rational zu erklären.

Was bleibt uns sonst von unserem irdischen Dasein? Das mechanisierte Leben als Funktionselement einer divergenten Gesellschaft, deren konstituierende Prämissen sukzessive erodieren, die immer mehr zur Zweckgemeinschaft degeneriert. Das Individuum verkommt zur Brennstoffzelle unserer Wirtschaft, gleichsam wie die menschlichen Akkus in der Matrix. Leben nur für die Wertschöpfung und den Konsum. „Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern daß man nie beginnen wird, zu leben“ (Marcus Aurelius). Jetzt und hier ist der richtige Zeitpunkt, um das Leben zu beginnen.

Also Kopf hoch und den Blick gen Himmel. Vielleicht stolpern wir irgendwann, aber wir können auch wieder aufstehen. Die Wunden verheilen, und der Schmerz vergeht, aber er hat uns ein wenig mehr abgehärtet und widerstandsfähiger gemacht. Das nächste Mal werden wir von dieser Wurzel, von diesem Stein nicht mehr zu Fall gebracht werden. Und im Schmerz beginnen wir, das Glück zu erfassen, das wir erleben, solange es uns gut geht. Wir hatten es zuletzt gar nicht mehr wahrgenommen, erst als es nicht mehr da war, haben wir es zu schätzen gelernt. „Das Unglück zu fürchten heißt, das Glück nie zu Gesicht bekommen“ (Peter der Große). Gesegnet ist der Mensch, der lernt, das Glück zu fassen, ohne es erst durch Unglück zu lernen. Er wird Kraft und Frieden daraus schöpfen.

Die Nase von so nem Typen

Keine Ahnung zu haben, ist ja prinzipiell mal nicht schlimm. Aber es auch noch im Fernsehen zu verkünden dagegen schon. Wie zum Beispiel der beschränkte Ami-Musiker, der im Interview bei Tracks (Arte) seine Lieblingsplatten vorstellt und vorzeigt. Darunter auch Meddle von Pink Floyd.

Dieses einzigartige Werk besitzt er in Vinyl und zeigt es stolz in die Kamera. Obwohl es eigentlich um die Musik geht, fühlt er sich genötigt, das Cover zu kommentieren: "Echt abgefahren. Auf der Rückseite diese Tropfen und vorne die Nase von so nem Typen." Genau, du Hohlrübe. Eine gute Nase braucht man, beziehungsweise den richtigen Riecher. Nur ist auf dem Pink Floyd-Cover leider keine abgebildet.

OK, ich hab auch zwei Jahre gebraucht, bis ich draufgekommen bin, was das Cover darstellt. Ich hab es erst begriffen, als es jemand aufgeklappt auf dem Teppich liegengelassen hat. "Abgefahren" ist es wirklich, wenn man es begriffen hat und dann erkennt, dass es zur B-Seite der Platte gehört.

Als Ami darf man eben alles sagen im deutschen Fernsehen, egal wie doof es ist. Und wundern tut sich auch niemand darüber.

Freitag, 30. Januar 2009

Sour Times

Wenn ich zu Zeit Nachrichten lese, höre oder sehe, kommt mir immer dieser Songtitel von Portishead in den Sinn. Und je grauer dazu noch der Himmel ist, desto plausibler erscheint es mir auf diese Tage zu passen.

Doch was heisst sauer? Ein Drink ist sauer, oder eine Frucht. Manchmal überrascht uns der saure Geschmack ein wenig, und das finden wir dann lustig, besonders in Gesellschaft, weil man dabei das Gesicht so lustig verzieht.

Die Krise hat uns auch überrascht. Aber wenn sie zur Sprache kommt, verziehen wir das Gesicht im Zorn. Zorn über die Unfähigkeit, Dummheit, Hilflosigkeit und Ignoranz der Akteure. Aber nicht mehr. Keiner geht hier auf die Straße wie die Franzosen – wozu auch, noch geht es ja vielen sehr gut. Wem es jetzt schon schlecht geht, der soll einfach selber demonstrieren.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Talwärts im Drogenrausch

"Der Schnee, auf dem wir alle talwärts fahr'n, den dealt hier jedes Kind" Wer die 80er bewusst erlebt hat, kennt diese Zeile aus einem österreichischen Songtext. Man fühlt sich daran erinnert, wenn man täglich neue, noch monströsere Summen hört, die zur "Lösung" (nicht lachen!) der globalen Finanzkrise auf den Markt geworfen werden. Die Droge, die den Junkie Weltwirtschaft krank gemacht hat, wird einfach in noch höheren Dosen verabreicht. Wie bei Todgeweihten wird der Exitus durch hohe Dosen Morphium erträglich gemacht. Internationale Ökonomen meinen dasselbe mit der Formulierung "das Feuer mit Benzin löschen."

Das Vergleich mit Substanzmissbrauch funktioniert aber auch noch in eine andere Richtung. Nachdem wir (bzw. Kohl/Waigel) durch die Wiedervereinigung unsere Staatsverschuldung in neue Dimensionen katapultiert hatten, setzte - wenn auch mit einer gewissen Verzögerung - die Erkenntnis ein, dass der ungebremste Genuss von Krediten auf Dauer ungesund ist und reduziert werden sollte (Schröder/Eichel, Merkel/Steinbrück). Jetzt, da unsere eh schon unterqualifizierten Politiker völlig überfragt sind, greifen sie wieder zur Flasche bzw. zum Füller, um neue Schuldscheine zu unterzeichnen. Das Geld wird zum einen in Form wirkungsloser Konjunkturpakete verstrohfeuert, zum anderen stützt man damit das Bankensystem, das die Krise erst verursacht hat.

Dabei sollte man bedenken, dass die Großbanken gleichzeitig unsere Gläubiger sind, die seit Jahrzehnten unsere Staatsverschuldung finanzieren, sich dabei dumm und dämlich verdienen an unseren Steuergroschen und diese Gewinne am Ende beim US-Immo-Roulette verzockt haben. Zur Belohnung machen wir uns (und mehrere Generationen nach uns) jetzt durch Neuverschuldung und Kreditgarantien in noch viel stärkerem Maße als bisher abhängig von unseren Gläubigern (oder sollte ich besser den Begriff Zuhälter verwenden?). Wir verhalten uns also wie ein Junkie, der eigentlich den Entzug will und dazu auch fähig ist, aber lieber bei Zuhältern immense Summen Geld leiht, um sie dann seinen Dealern als Darlehen zu geben, damit die weiter Drogen einkaufen und an uns verkaufen können.

Aber das ist vielleicht gerade der Sinn dieser ganzen Übung. Wir Frankfurter haben's schon immer (genauer gesagt schon vor 200 Jahren) gewusst: " Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht." (Mayer Amschel Rothschild). Mit der Finanzkrise und den vorhersehbaren wirkungslosen Gegenmaßnahmen der Regierungen erhält die internationale Finanzwirtschaft nur noch mehr Kontrolle über Währungen und Volkswirtschaften. Wer dabei, wie der internationale Geldadel, seine Spekulationsgewinne längst in Sachwerte investiert hat, für den ist die Finanzkrise nicht mehr als das Chaos in einem Ameisenhaufen im Vorgarten, nachdem der Gärtner versehentlich mit den Gummistiefeln reingetreten ist. Jetzt noch Gärtner = Banker setzen ...

Das unfassbare daran ist, dass Unsummen ausgegeben werden, ohne dass es irgendwas bringt. Trotz Obamas 825 Mrd. US-$ verloren alleine diesen Montag 55.000 US-Amerikaner ihren Job, berichtete CNN am Montag abend. Später ging es in der selben Sendung um die Situation in UK, und ein Wirtschaftsexperte gab seine Prognose für 2009 ab. Auf die Frage der Moderatorin, ob er dabei die Kompensationswirkung des Konjunkturpaketes schon eingerechnet habe, erwiderte er: "Das macht keinen Unterschied." Da fragt man sich: Ist es nicht günstiger, die angeschlagenen Banken sterben zu lassen? 1. weil sie es verdient haben, 2. weil sie der Weltwirtschaft mehr schaden als nützen, 3. weil es die beste und günstigste Lösung ist und 4. weil das im Sinne all derjenigen ist, die möglichst wenig Regulierung wollen und auf die Selbstheilungskräfte des Marktes vertrauen. Das wäre doch DIE Gelegenheit für den Schulterschluss zwischen Neoliberalismus und Neokommunismus, also Merz + Lafontaine. Aber im Ernst: Selbst Insider und Wissenschaftler halten das für die einzig richtige Lösung. Wir müssen aufhören, auf einem Tiger zu reiten.

Freitag, 23. Januar 2009

Verspekuliert

Ich frage mich, wann hier in Frankfurt das große Jammern ausbricht. Täglich werden neue Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft veröffentlicht, von Quimonda bis hin zu diversen Konjukturprognosen. Aber in der City geht alles weiter, als wäre die Welt noch in Ordnung. Zwei neue Shopping Center plus drei neue Bürotürme. Von denen dem einen (hinter der Oper) schon jetzt der Leerstand droht, wie man in der Stadt so munkelt. Und in der Rundschau haben die größten Makler der Stadt kürzlich erst erzählt, dass auch sonstwo immer häufiger gähnende Leere herrscht.

In Sachen Verkaufsfläche sieht es auch nicht besser aus: Der Binnenkonsum ist, außer bei langlebigen Gebrauchsgütern, zwar noch nicht signifikant eingebrochen, aber es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis die Kauflust auch beim City-Einzelhandel angekommen ist. Und dieser kleinere Kuchen soll dann auf viel mehr Verkaufsfläche aufgeteilt werden? Das kann nur funktionieren, wenn die neuen Glaspaläste komplett mit 1-Euro-Ramschläden, Mode-Discountern und Teenie-Kleidershops, Handyläden, Bagle-Coffeeshops und anderen redundanten Fazilitäten vollgepflastert werden. Bestimmt eine super Marktnische - was, Sie denken jetzt spontan an die Zeilgalerie? Sie Schwarzmaler! Pfui!

Eine der neuen Mega-Malls hat bezeichnenderweise auch gleich ein Loch im Gebäude. Wie ein Trichter sieht es aus, der den Betrachter einssaugen und himmelwärts ausstoßen möchte. Was bedeutet das? Beam me up, Scotty? Oder das schwarze Loch, in dem all unsere Ersparnisse verschwinden? Dann wäre es vielleicht in den Bankentürmen besser platziert.

Ein Geniestreich auch die Fassadenfront aus Glastrapezen. Jedesmal, wenn ich über die Brücke fahre (die untere beim Bahnhof) und das Äppelwoiglas sehe, muss ich jetzt gleich an die Innenstadt denken - ein genialer Marketing-Coup. Quasi Chaostheorie für Anfänger: Die Stadt wird sich selber ähnlich.

Apropos Marketing - selbst Swarovski hat seine Message an die Laufkundschaft schon auf ein Buzzword reduziert: SALE. Allerdings im Glitzerlook - also Marken-adäquat.

Alles ist eitel ...

... auch das Bloggen. Schon einen Tag online und noch immer Null Leser. Genauso ärgerlich ist, dass es hier zieht wie Hechtsuppe. Ich habe den Verdacht, da hilft auch Flor De Caña® nicht, denn der wärmt nur von innen.

Von wegen Wetterinformationen sind Atavismus. Nachdem einer meiner Balkonstühle sich vorhin über die ganze Balkonbreite bewegt hat und der andere, der schwere Holzsessel, komplett umgekippt ist, hab ich erstmal meine beiden Fahrräder angekettet. Im Gegensatz zu den Möbeln besitzen sie immerhin einen nennenswerten Wert und sind mehr als nur Deko.

Falls sich je ein Leser (m/f) hierher verirrt: Der Text lohnt sich nicht zu lesen, aber abstimmen wäre nett. Echt. Kostet auch nix. Und keine Anmeldung erfolderlich! Keine Mindestvertragslaufzeit und auch keine Fußnoten. Am besten gleich ausprobieren!

Warum zeigt das Flickr-Gadget eigentlich nur einen kleinen Teil meiner Fotos an? Hat jemand eine Idee?

Donnerstag, 22. Januar 2009

The Hitchhiker's Guide to the 21st Century

So. Blog angelegt, Titel ausgedacht (schon damit könnte ich Stunden verbringen, wenn's sein muss, um schließlich zu entscheiden, dass das eigentlich alles gar keinen Sinn macht und es dann gleich ganz lassen). Ich denke, ich bastel jetzt erstmal am Layout rum und schreib später wieder was.

Was für ein Zeitkiller! Tatsächlich kann man auch in Textfeldern mit Tags arbeiten, und zwar auch mit solchen, die gar nicht dokumentiert sind ;-) Nur dass das eben nirgends steht ...

Ein echtes Armutszeugnis ist, dass man kein angepasstes Wetter-Gadget integrieren kann, aber vielleicht hat Houellebecq ja ein Stück weit recht: "Weil die Menschen einmal der Tierwelt angehört haben, sprechen sie noch heute so oft über das Wetter und das Klima; das ist eine primitive Erinnerung, die die Sinnesorgane geprägt hat und mit den Überlebensbedingungen vorgeschichtlicher Zeiten verbunden ist. Diese begrenzten, stereotypen Gespräche sind jedoch noch immer das Zeichen für ein echtes Problem: Obwohl wir aufgrund einer erprobten, zuverlässigen Technik die Garantie stabiler klimatischer Bedingungen haben, sind wir unfähig, uns von diesem tierischen Atavismus zu lösen; (...)" (Die Möglichkeit einer Insel, S. 424f). Nur ist Houellebecq, der alte Kettenraucher, eben auch kein Mountainbiker. In seiner Hütte auf einem irischen Hügel sieht er wahscheinlich vom Laptop durchs Fenster (natürlich mit der Kippe in der Hand) immer, was das Wetter so bringt. Ich hatte auch mal eine Aussicht nach Westen, da braucht man tatsächlich keinen Wetterbericht mehr. Nur hab ich damals noch keinen Sport gemacht (außer Biertrinken natürlich), da war es nicht so wichtig.

Dass vor allem Frauen gar kein Verständnis für das Interesse am Wetter haben, hat vielleicht auch damit zu tun, dass die meisten Frauen zum Joggen ins Studio auf den Stepper gehen. Klar. Macht bestimmt mehr Spass, in einem Betonbunker anderer Leute Ausdünstungen zu inhalieren, statt in der frischen Luft durchs Grüne zu rennen. Macht einfach weiter so, Mädels, dann hab ich mehr Platz im Wald zum Radfahren.

Ist auch gar nicht so ohne, alleine durch den Wald zu fahren oder laufen. Neulich fahre ich mitten im dichten Wald um die Ecke und sehe, wie ein Mann um die 40 sein Trekkingbike (relativ neu) über den Wildschutzzaun zu werfen versucht. Am dichten Baumwuchs dahinter prallte das Rad ab und krachte auf den Schotter des Weges. Dabei schimpfte er wie ein Rohrspatz mit einem (seinem?) kleinen Jungen, der direkt hinter im auf einem Fahrrad mit Stützrädern voller Entsetzen mit weit aufgerissenen Augen zusah, wie der Amokläufer tobte. Dessen Rage gipfelte darin, dass er den Jungen fortjagte - wohl zu dessen Glück.

Wobei es natürlich auch Mountainbikerinnen gibt. Wie die, mit der ich fast kollidiert wäre, weil ich über die Lichtung bretterte und dann bei Gegenlicht in den dunklen Waldweg einbog, aus dem sie mir engegenkam. Erstens hat sie mich vorher gesehen, und zweitens war sie auf ihrem schwarzen Rad ganz in schwarz unterwegs. Kein Grund also, mich dehalb ein Arschloch zu nennen - das war ganz klar deine Schuld, du Fotze! Ihr Glück, dass ich so außer Atem war, sonst wüsste sie das jetzt auch.

Überhaupt haben Frauen eine seltsame Strategie beim Mountainbiken: Teures Rad, amtliches (=teures) Outfit, aber dann Fortbewegung im Schrittempo und bergauf schieben. Kommt in die Gänge, Mädels.